Lieber IPhone oder Wohnung bezahlen?
Wir kennen Apple.
Und nein – mein Zögern hat nichts mit dem Design zu tun. Das kann Apple. Schon immer.
Was mich bisher davon abhält, mir ein iPhone zu kaufen, liegt woanders. Es ist das Gefühl, dass inzwischen mehr Energie in Inszenierung fließt als in echten technischen Fortschritt. Nicht, dass es keinen Fortschritt gäbe – sondern dass er sich oft kleiner anfühlt, als er verkauft wird.
Jedes Jahr wird ein neues Gerät vorgestellt wie ein kulturelles Ereignis. Große Bühne, starke Bilder, perfekte Slogans. Alles wirkt wichtig, bedeutend, notwendig. Und irgendwo zwischen „noch heller“, „noch schneller“ und „noch smarter“ frage ich mich:
Was davon verändert meinen Alltag wirklich?
Natürlich wird die Kamera besser. Natürlich wird der Prozessor schneller. Aber häufig fühlt sich das weniger nach einem echten Sprung an – und mehr nach einer sehr gut ausgeleuchteten Wiederholung.
Was mich dabei mehr beschäftigt als das Gerät selbst, ist die Reaktion darum herum. Die Stores sind voll. Menschen kaufen nicht nur ein Smartphone, sondern ein Gefühl von Aktualität. Zugehörigkeit. Das beruhigende Wissen, sagen zu können: Ich habe das Neueste.
Das iPhone ist längst kein Telefon mehr.
Es ist ein Symbol. Eine Eintrittskarte. Ein Beweis dafür, dass man mithält.

Und während wir darüber diskutieren, ob das neue Modell wirklich „revolutionär“ ist, kostet es mittlerweile so viel wie eine okaye Wohnung in einer Großstadt – für einen Monat. Nicht kaufen. Wohnen. Vier Wände, ein Schlüssel, ein Ort, an dem man die Tür hinter sich schließen kann.
Vielleicht ist das eigentliche Problem nicht Apple. Vielleicht ist es unsere Zeit. Eine Zeit, in der Stillstand Angst macht und Upgrades Sicherheit versprechen. In der Marketing lauter ist als echte Veränderung, und Besitz oft mit Fortschritt verwechselt wird.
Ich mag Technik. Ich mag gutes Design, starke Kameras, saubere Software. Aber ich mag es mehr, wenn meine Miete bezahlt ist und mein Kopf ruhig bleibt. Ein Smartphone kann ich ersetzen. Stabilität nicht.
Ich entscheide mich nicht gegen Apple. Ich entscheide mich gegen den Reflex, jedes Jahr aufspringen zu müssen. Nicht aus Trotz. Nicht aus Prinzip. Sondern aus dem Gefühl heraus, dass echter Fortschritt manchmal leiser ist als Werbung.
Und vielleicht ist es genau das, worüber man öfter sprechen sollten.